Leseecke

Enge und Nähe im Irland der 1990er

Im neuen Roman von Alan Murrin kämpfen zwei Frauen um ihre Freiheit.

Von Linus Suter

 

«Enge» beschreibt Izzy Keaveneys Leben in einem irischen Provinzstädtchen wohl ganz gut: Die Enttäuschung über die erloschene Flamme in der Beziehung zu ihrem Ehemann, dass sie jetzt, wo ihre Kinder älter sind, nicht wieder einen Dorfladen führt und die von der tratschenden Dorfgemeinschaft aufrecht erhaltenen Normen und Traditionen des streng katholischen Irlands der 1990er, all das engt Izzy ein. Die Rückkehr von Colette Crowley – Poetin, selbstbewusst, von ihrem Mann separiert – nach Jahren in Dublin ist für das Dorf skandalös, für Izzy aber auch aufregend, ein Blick aus dieser Enge. Doch Colette hat ihre eigene Verzweiflung: Ihr Ehemann verweigert ihr den Zugang zu ihren Kindern und sie wendet sich an Izzy, um das zu ändern. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft.  Vor dem Hintergrund des irischen Referendums über die Legalisierung der Scheidung 1995 erzählt Murrin eindrücklich von den Opfern, die Frauen brachten und bringen, um sich Freiheit zu erkämpfen. Dabei bleibt das Gefühl einer Enge, die drückt und erstickt – und die glückliche Enden nur bedingt zulässt.

Das Buch kann in der Stadtbibliothek Aarau ausgeliehen werden, auch in englischer Originalsprache.
Coast Road / Murrin Alan. dtv, München, 2025.