Vor zwei Tagen, am letzten Freitag, lief die Anmeldefrist für die städtischen Wahlen 2025 in Aarau ab. Und das Resultat ist erfreulich und erfrischend für Aarau! Es gibt 15 Kandidat:innen für die 7 Sitze der Stadtregierung, eine reichliche Auswahl. Von links bis rechts über die Mitte wurden viele Leute nominiert, die sich für Aarau einsetzen wollen. Die sich zur Verfügung stellen, Ämter hier zu übernehmen, die nicht nur einfach sind.
Auch fürs Stadtpräsidium und fürs Vize-Stadtpräsidium gibts eine Auswahl, für die Kreisschulpflege ebenso wie auch für die Steuerkommission. Echte Wahlen überall! Das heisst aber auch, es wird unter den Nominierten am 28. September auch viele Enttäuschte geben, die nicht gewählt werden. Das gehört zur Demokratie. Ohne spätere enttäuschte Verlierer:innen gibts vorgängig keine Auswahl für die Wähler:innen.
Darum ist hier für einmal den Verlierer:innen zu gedenken, welche die Demokratie und die Auswahl überhaupt ermöglichen. Über die Gewinner:innen wird danach viel berichtet werden, die Verlierer:innen gehen meist vergessen. Auch das gehört zum Gang der Welt. Trotzdem gibts nur mit einer Auswahl für die Wähler:innen überhaupt die Möglichkeit, sich auszudrücken. Es gibt natürlich im Ergebnis dann Mehrheiten und Minderheiten, Gewählte und Nichtgewählte. Jedoch: Auch die Minderheit kann sich so ausdrücken, hat sich ausgedrückt. Und aus Minderheiten werden später oft Mehrheiten, und umgekehrt. Auch das gehört zur Demokratie.
Es soll in dieser Kolumne keine Wahlempfehlung vorgenommen, sondern allgemein über Demokratie und Wahlen nachgedacht werden. Es geht um das System der Auswahl, des Auswählens, nicht um den Namen dieses Kandidaten oder jener Kandidatin. Wichtig ist in diesem System, dass Wahlen regelmässig abgehalten werden, frei und fair, hierzulande meist alle vier Jahre, so dass alle Aufgaben nur für eine Legislaturperiode verteilt werden und danach wieder neu vergeben werden. Und aus letztmaligen Verlierer:innen können dann Gewinner:innen werden, und aus letztmaligen Gewinner:innen Verlierer:innen. Das funktioniert jedoch nur, wenn sich alle an die demokratischen Gepflogenheiten halten.
Leider sieht man heute allzu oft, dass sich Gewinner:innen nicht an demokratische Regeln halten, sondern sich mit Tricks an der Macht halten wollen, wenn sie die Macht einmal erhalten haben, sei es in Nicaragua, in den USA, in Russland, in Ungarn oder in El Salvador. An der Macht, versucht man das System so zu ändern, dass man an der Macht bleibt, die demokratischen Regeln werden so abgeändert, dass die nächsten Wahlen nicht mehr als fair und frei bezeichnet werden können. So geht jede Demokratie zugrunde.
Darum können wir in Aarau, in der Schweiz, wirklich froh sein, dass weit und breit keine solche Machenschaften offensichtlich wären, welche eine demokratische Auswahl aushebeln wollen. Zudem haben wir durch die direkte Demokratie auch die Möglichkeit, über viele Sachvorlagen abzustimmen, nicht nur zu wählen. Das lässt den vielen gewählten Amtsinhaber:innen noch weniger Macht, Regeln zu übergehen oder willkürlich zu herrschen.
Demokratie ist sicher manchmal kompliziert, ich jedoch schätze die Möglichkeiten, die sich in ihr bieten. Wahlen können und sollen auch ein Fest der Demokratie sein.
Im übrigen ist auf der Website von Aarau auch vermerkt, dass sich für ein einzelnes Amt niemand gemeldet hat, hier der Wortlaut dazu: «Für das Ersatzmitglied der Steuerkommission wurden keine Wahlvorschläge eingereicht. Da weniger wählbare Kandidatinnen oder Kandidaten vorgeschlagen sind, als zu wählen sind, wird eine Nachmeldefrist von fünf Tagen angesetzt, innert der neue Vorschläge eingereicht werden können.»
Wenn sie also Ersatzmitglied der Steuerkommission der Stadt Aarau werden möchten, haben sie jetzt noch die Möglichkeit, sich bei der Stadt zu melden und dafür zu kandidieren. Melden sich mehrere Leute, gibts auch für dieses Amt dann eine demokratische Auswahl. Wer meldet sich und ist bereit dafür? Ein paar Regeln müssen bei der Anmeldung einer Kandidatur jedoch berücksichtigt werden, etwa, dass eine Kandidatur mit zehn Unterschriften von Stimmberechtigten von Aarau eingereicht werden muss. Bei der Stadt Aarau kann man sich über das richtige Vorgehen gerne erkundigen. Es lohnt sich, diese Regeln einzuhalten.
Der grünen Stadtratskandidatin, welche auch gleichzeitig fürs Vize-Stadtpräsidium kandidieren will, wurde nämlich dies vorgestern zum Verhängnis: Ihre Partei meldete sie bei der Stadt zwar als Stadtratskandidatin an, vergass jedoch, sie auch als Vize-Stadtpräsidentkandidatin anzumelden. Nun wird sie auf den offiziellen Wahlflyern der Stadt für dieses Amt nicht aufgeführt sein. Demokratische Regeln sind einzuhalten.
Was manchmal vergessen geht: Das Anmeldeverfahren ist nur für den offiziellen Wahlflyer relevant. Dort steht nämlich auch folgende wichtige Information zu den Wahlen: «Bei diesen Wahlen sind nicht nur die aufgeführten Personen wählbar. Im ersten Wahlgang kann jede/-r wahlfähige Stimmberechtigte der Stadt Aarau als Kandidat/-in gültige Stimmen erhalten.»
Das heisst, jede Wählerin und jeder Wähler kann im ersten Wahlgang auch ganz andere Namen wählen als die vorgeschlagenen Kandidat:innen! Beispielsweise den Nachbarn in die Steuerkommission oder sich selber als Stadträtin. Auch diese Stimmen sind gültige Stimmen.
Es lebe diese offene Demokratie!
Auch fürs Stadtpräsidium und fürs Vize-Stadtpräsidium gibts eine Auswahl, für die Kreisschulpflege ebenso wie auch für die Steuerkommission. Echte Wahlen überall! Das heisst aber auch, es wird unter den Nominierten am 28. September auch viele Enttäuschte geben, die nicht gewählt werden. Das gehört zur Demokratie. Ohne spätere enttäuschte Verlierer:innen gibts vorgängig keine Auswahl für die Wähler:innen.
Darum ist hier für einmal den Verlierer:innen zu gedenken, welche die Demokratie und die Auswahl überhaupt ermöglichen. Über die Gewinner:innen wird danach viel berichtet werden, die Verlierer:innen gehen meist vergessen. Auch das gehört zum Gang der Welt. Trotzdem gibts nur mit einer Auswahl für die Wähler:innen überhaupt die Möglichkeit, sich auszudrücken. Es gibt natürlich im Ergebnis dann Mehrheiten und Minderheiten, Gewählte und Nichtgewählte. Jedoch: Auch die Minderheit kann sich so ausdrücken, hat sich ausgedrückt. Und aus Minderheiten werden später oft Mehrheiten, und umgekehrt. Auch das gehört zur Demokratie.
Es soll in dieser Kolumne keine Wahlempfehlung vorgenommen, sondern allgemein über Demokratie und Wahlen nachgedacht werden. Es geht um das System der Auswahl, des Auswählens, nicht um den Namen dieses Kandidaten oder jener Kandidatin. Wichtig ist in diesem System, dass Wahlen regelmässig abgehalten werden, frei und fair, hierzulande meist alle vier Jahre, so dass alle Aufgaben nur für eine Legislaturperiode verteilt werden und danach wieder neu vergeben werden. Und aus letztmaligen Verlierer:innen können dann Gewinner:innen werden, und aus letztmaligen Gewinner:innen Verlierer:innen. Das funktioniert jedoch nur, wenn sich alle an die demokratischen Gepflogenheiten halten.
Leider sieht man heute allzu oft, dass sich Gewinner:innen nicht an demokratische Regeln halten, sondern sich mit Tricks an der Macht halten wollen, wenn sie die Macht einmal erhalten haben, sei es in Nicaragua, in den USA, in Russland, in Ungarn oder in El Salvador. An der Macht, versucht man das System so zu ändern, dass man an der Macht bleibt, die demokratischen Regeln werden so abgeändert, dass die nächsten Wahlen nicht mehr als fair und frei bezeichnet werden können. So geht jede Demokratie zugrunde.
Darum können wir in Aarau, in der Schweiz, wirklich froh sein, dass weit und breit keine solche Machenschaften offensichtlich wären, welche eine demokratische Auswahl aushebeln wollen. Zudem haben wir durch die direkte Demokratie auch die Möglichkeit, über viele Sachvorlagen abzustimmen, nicht nur zu wählen. Das lässt den vielen gewählten Amtsinhaber:innen noch weniger Macht, Regeln zu übergehen oder willkürlich zu herrschen.
Demokratie ist sicher manchmal kompliziert, ich jedoch schätze die Möglichkeiten, die sich in ihr bieten. Wahlen können und sollen auch ein Fest der Demokratie sein.
Im übrigen ist auf der Website von Aarau auch vermerkt, dass sich für ein einzelnes Amt niemand gemeldet hat, hier der Wortlaut dazu: «Für das Ersatzmitglied der Steuerkommission wurden keine Wahlvorschläge eingereicht. Da weniger wählbare Kandidatinnen oder Kandidaten vorgeschlagen sind, als zu wählen sind, wird eine Nachmeldefrist von fünf Tagen angesetzt, innert der neue Vorschläge eingereicht werden können.»
Wenn sie also Ersatzmitglied der Steuerkommission der Stadt Aarau werden möchten, haben sie jetzt noch die Möglichkeit, sich bei der Stadt zu melden und dafür zu kandidieren. Melden sich mehrere Leute, gibts auch für dieses Amt dann eine demokratische Auswahl. Wer meldet sich und ist bereit dafür? Ein paar Regeln müssen bei der Anmeldung einer Kandidatur jedoch berücksichtigt werden, etwa, dass eine Kandidatur mit zehn Unterschriften von Stimmberechtigten von Aarau eingereicht werden muss. Bei der Stadt Aarau kann man sich über das richtige Vorgehen gerne erkundigen. Es lohnt sich, diese Regeln einzuhalten.
Der grünen Stadtratskandidatin, welche auch gleichzeitig fürs Vize-Stadtpräsidium kandidieren will, wurde nämlich dies vorgestern zum Verhängnis: Ihre Partei meldete sie bei der Stadt zwar als Stadtratskandidatin an, vergass jedoch, sie auch als Vize-Stadtpräsidentkandidatin anzumelden. Nun wird sie auf den offiziellen Wahlflyern der Stadt für dieses Amt nicht aufgeführt sein. Demokratische Regeln sind einzuhalten.
Was manchmal vergessen geht: Das Anmeldeverfahren ist nur für den offiziellen Wahlflyer relevant. Dort steht nämlich auch folgende wichtige Information zu den Wahlen: «Bei diesen Wahlen sind nicht nur die aufgeführten Personen wählbar. Im ersten Wahlgang kann jede/-r wahlfähige Stimmberechtigte der Stadt Aarau als Kandidat/-in gültige Stimmen erhalten.»
Das heisst, jede Wählerin und jeder Wähler kann im ersten Wahlgang auch ganz andere Namen wählen als die vorgeschlagenen Kandidat:innen! Beispielsweise den Nachbarn in die Steuerkommission oder sich selber als Stadträtin. Auch diese Stimmen sind gültige Stimmen.
Es lebe diese offene Demokratie!
Über
Ausgewählte Aarauerinnen und Aarauer schreiben in der Rubrik «Gastkommentar» über ihre Sicht auf die Dinge und die Stadt.
Stephan Müller ist Szenograf und ehemaliger Einwohnerrat, sonst Stadtspaziergänger und Teilzeitmitarbeiter eines linken Wochenblattes.
Bild: Thomas Widmer