Gastkommentar

Die Zugezogene

Aarau ist meine fünfte Wohnstadt. Und offen gestanden war sie nicht meine erste Wahl. Steiler Einstieg in eine Kolumne auf einer Plattform, die We Love Aarau heisst, dessen bin ich mir durchaus bewusst.

Von Carmen Schoder

Die Liebe (und die urbane Wohnkrise) haben mich hierhergeführt, und ich kann heute, nach ein paar Monaten, nur eins dazu sagen: Jackpot. Was für eine tolle Stadt.
Eine Stadt mit zwei (!) Geschichtspodcasts, mehreren Sommer-Openairs, einer beliebten Webplattform fürs Stadtgeflüster, etablierten Kulturinstitutionen wie dem KIFF oder dem Flössi, lebendigen Traditionen wie dem Maienzug oder der Bachfischet, vier spannenden Museen, einem Theater, einer Philharmonie, einem Wildpark und einer eigenen Aareschwumm-Bahn. Ihr wisst, dass diese Lobes-Aufzählung hier noch lange nicht abgeschlossen ist: Es gibt eine eigene Stubenkonzertreihe, eine Gewürzmühle, einen tatsächlich altersdurchmischten Neujahrsanlass, Lädeli für Stoffe und Wolle, eine Skateboard-Halle und – absolutes Qualitätsmerkmal – diverse grosszügige Käsetheken wie z.B. die im Zum Gmüesrad. Und das alles bei nicht einmal 25’000 Einwohner:innen.
Aber Aarau ist auch eine Stadt unter der Knute des motorisierten Individualverkehrs, ohne digitalisierte Übersicht der laufenden politischen Geschäfte, mit einer Altstadt ohne Hitzeminderungsmassnahmen und in einem Kanton mit einer Steuer-Software, die mir jegliche Lebensfreude aussaugt.
Ich bin lange genug hier, dass ich die rosarote Brille bereits ablegen konnte, und immer noch neu genug, um die Stadt und ihre Eigenheiten zu entdecken.
Das Beste an Aarau verrate ich aber schon in diesem ersten Gastkommentar: Keine einzige Minute musste ich hier um Zugehörigkeit kämpfen. Aarau war mein Zuhause, und ich gehörte dazu, von Anfang an. Die Menschen hier engagieren sich für ihre Stadt, stellen etwas auf die Beine und leisten einen Beitrag für eine lebendige Gemeinschaft. Das ist ansteckend – weshalb auch ich mich engagiere und im Kulturbereich meinen Teil beitrage. Übrigens genau in jener Kulturinstitution, die am 27. September ganz dringend euer JA an der Urne braucht.
Also, liebe Aarauerinnen und Aarauer: Ich darf jetzt eine von euch sein. Ich schreibe ab jetzt hier regelmässig meine Beobachtungen nieder.