Zeitreise

Vom Naturhistorischen Museum zum Naturama Aargau – Eine Sammlung im Spiegel der Zeit

Wie aus der Zeit steht heute der Altbau des Naturama Aargau gegenüber den Glasgebäuden des Bahnhofes. Das Gebäude, erbaut als Naturhistorisches Museum der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft (ANG) in Aarau, hat sich äusserlich kaum verändert. Die Museumssammlung hingegen befindet sich seit Jahrhunderten in stetem Wandel und gibt heute Auskunft über das Naturbild der Aarauer Aufklärer sowie über die Geschichte unterschiedlicher Ausstellungsobjekte aus nah und fern.

Von Manuel Näf und Simon Kalberer

Friedrich Mühlberg, der langjährige Präparator des Naturhistorischen Museums und Präsident der ANG, träumte von einem Ort, wo die Natur seines noch jungen Heimatkantons in «einer umfassenden Auswahl aargauischer Objekte, auch zur ästhetischen Ausstellung dienend», der Bevölkerung zugänglich gemacht werden konnte. Am 21. Mai 1922, kurz nach Mühlbergs Tod, wurde dieser Ort als «Natur- und Heimatmuseum» Realität. In zehn verschiedenen Abteilungen konnten Jung und Alt Tierpräparate, Gesteinssorten und Kristalle sowie seltene Versteinerungen und selbst Mammutzähne bestaunen.

Ein neues Naturbild entsteht


Die Präsentation der Tier-, Pflanzen- und Gesteinswelt im Naturhistorischen Museum folgte schon damals einer Logik, welche der naturwissenschaftlichen Forschung teils schon seit dem 18. Jahrhundert innewohnte. So wurden Tierpräparate im Museum aufgeteilt in ihre einzelnen Klassen wie Säugetiere, Vögel oder Fische. Das Museum trug dazu bei, dass sich uns diese Gliederung der Tierwelt auch heute noch so banal und unbestritten erscheint, wie dass die Sonne im Osten auf- und im Westen untergeht. Als der schwedische Naturforscher Carl von Linné diese Tierklassen 1758 aufstellte, war dem noch nicht so. Dass wir uns heute zu den Säugetieren und nicht zu den Reptilien oder zu den Amphibien zählen, steht einer wissenschaftlichen Debatte zugrunde, an welcher sich auch die ANG in Aarau beteiligte. Seit ihrer Gründung 1811 durch Männer wie Heinrich Zschokke oder Johann Rudolf Meyer verfolgte die ANG das Ziel der «Erweiterung der Wissenschaft selbst, nach Massgabe der vereinten Kräfte der Gesellschaft.»
Über die Kantonsgrenzen hinaus
Ein weiteres Ziel der ANG war, vorzüglich Naturprodukte aus dem Aargau zu studieren und so dem Kanton nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in seiner natürlichen Erscheinung eine charakteristische Identität zu verleihen. Die Sehnsucht nach «exotischen» Objekten, wie sie ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in europäischen Museen in Mode kam, war jedoch auch in Aarau zu spüren. Immer wieder gelangten aussereuropäische Objekte durch Verkauf oder Schenkungen von Sammlern, Reisenden oder ausländischen Händlern nach Aarau. So kam es zum kuriosen Umstand, dass im Laufe der Zeit Affen, tropische Reptilien und selbst zwei ägyptische Sarkophage samt Mumien (heute im Besitz des Museum Aargau) die Naturhistorische Sammlung in Aarau erweiterten.
Gerade bei Objekten aus ehemaligen Kolonialgebieten sind Museen heute mit der Frage konfrontiert, wie ihre einstigen Sammler bei ihrer Beschaffung von Tieren oder kulturellen Gegenständen vorgegangen sind, um einen gerechten und ethischen Umgang damit garantieren zu können. Simon und Manuel beschäftigen sich im Podcast «Geschichten aus Aarau» mit dieser schwierigen Herkunftsfrage von Museumsobjekten, wobei sie den bewegten Werdegang des Naturhistorischen Museums zum heutigen Naturama aufrollen.



Die Folge kann auch auf Apple Podcast abgespielt werden.