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Greta Olivo: Die Nacht der Schildkröte

Der erste Roman der Römerin Greta Olivo behandelt das Thema Sehbehinderung inspirierend und einfühlsam.

Von Beatrice Altorfer

 

Livia liebt Schnelllauf. Sie ist talentiert und die Schnellste in ihrer Altersklasse. Die dicke Brille, die sie wegen ihrer starken Kurzsichtigkeit schon seit ihrer frühesten Kindheit trägt, gefällt ihr zwar nicht, aber sie erfüllt ihren Zweck. Als Livia mit elf Jahren wieder ein Rennen gewinnt und im Ziel ankommt, stürzt sie aus unerklärlichen Gründen. Dieses Ereignis verändert Livias Leben grundlegend. Eine Untersuchung beim Augenarzt ergibt nämlich, dass Livia an einer fortschreitenden, unheilbaren Augenkrankheit leidet und erblinden wird.

Livia, die einfach nur ein normaler Teenager sein und dazugehören möchte, muss nun lernen, sich in einer Welt zurechtzufinden, die immer dunkler und verschwommener wird. Es fällt ihr schwer, sich Freundinnen zu öffnen, und als sich der attraktive Lorenzo für sie zu interessieren beginnt, ist sie überglücklich. Doch die Welt um Livia herum verschwindet schneller als erwartet. Im Blindenzentrum lernt sie Emilio kennen, der die gleiche Krankheit hat wie Livia. Er bringt ihr alles bei, was sie wissen muss, um ihren Alltag zu meistern.

In Livias letztem Schuljahr gibt es kein Verbergen ihrer Situation mehr und sie kann endlich das Versteckspiel beenden und sich für Freundschaften öffnen.

Der Autorin ist ein sehr berührender Debütroman gelungen, der einen von der ersten Seite an in Bann zieht.

Das Buch kann in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden.
Die Nacht der Schildkröten / Greta Olivo, rowohlt 2024