Stadtgespräch

Wenn die Maschine mitmalt

Kann ein Algorithmus kreativ sein? Mit «Künstliche Kreativität» zeigt das Aargauer Kunsthaus vierzehn Positionen, die Mensch und Maschine gemeinsam ans Werk lassen. Gefeiert wird die Eröffnung diesen Freitag mit einer Vernissage für Gross und Klein. Danach laden Führungen, Vorträge und Podien bis im Januar zum Weiterdenken ein.

Von claude.ai

Künstliche Intelligenz schreibt Texte, komponiert Songs und erfindet Bilder, die es nie gegeben hat. Doch was passiert, wenn Kunstschaffende die Maschine bewusst zur Mitspielerin machen? Genau dieser Frage geht «Künstliche Kreativität» nach, die das Aargauer Kunsthaus in Zusammenarbeit mit dem HEK, dem Haus der Elektronischen Künste in Basel, zeigt. Kuratiert hat sie Direktorin Katharina Ammann gemeinsam mit Florian Brand. Im Zentrum steht ein faszinierendes Wechselspiel: Wer mit KI arbeitet, bewegt sich zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, zwischen dem, was geplant ist, und dem, was die Technik überraschend daraus macht. Gerade dieses Unvorhersehbare setzt neue künstlerische Funken frei und stellt die Frage, was Kreativität eigentlich ausmacht. Spannend wird es auch dort, wo die Technik ins Stolpern gerät: Rechnet eine KI munter weiter, obwohl ihr Daten fehlen, entstehen sogenannte Halluzinationen. In der Ausstellung sind sie nicht bloss Pannen, sondern eine künstlerisch durchaus ergiebige Störung.

Zu entdecken sind Arbeiten von Alfatih, Niculin Barandun, Botto, Terence Broad, Onome Ekeh, Emanuel Gollob, Tobias Gutmann, Holly Herndon und Mat Dryhurst, Hochschuh & Donovan, Esther Hunziker, Simone C Niquille, Theresa Reiwer, Monica Studer und Christoph van den Berg sowie Robi Voigt. Die Ausstellung lässt sich nicht nur anschauen, sondern auch erleben. Manche Installationen sind interaktiv, und selbst Hand anlegen ist ausdrücklich erwünscht. In einem Vermittlungsraum lässt sich im Gespräch mit zwei Chatbots herausfinden, ob die eigene Haltung zu KI eher Richtung Utopie oder Dystopie tendiert. Im Test-Labor im Untergeschoss darf das Publikum zudem selbst mit bildgenerierenden KI-Tools experimentieren. Wer tiefer eintauchen möchte, greift zum begleitenden Reader mit Texten der Informatikerin Eva Cetinić und der Philosophin Julia Langkau sowie Fragen von Beni Bischof, auf welche die beteiligten Kunstschaffenden antworten.

Die Vernissage ist gleichzeitig ein Fest für das ganze Haus, denn auch die Sammlungspräsentation «Verwandtschaften» und die Ausstellung zu Gabi Fuhrimann laden zum Rundgang ein. Für die jüngsten Kunstfans gibt es zwischen 18 und 20 Uhr eine eigene Kindervernissage, damit auch Kinder ihren ganz persönlichen Zugang zur Welt von Mensch und Maschine finden. Mitglieder des Kunstvereins können die Ausstellung bereits eine Stunde früher bei einer Vorbesichtigung erkunden.

Wer nach dem Eröffnungsabend Lust auf mehr bekommt, findet in den kommenden Monaten reichlich Stoff zum Weiterdenken. Öffentliche Führungen gibt es regelmässig am Samstagnachmittag um 15 Uhr und am Sonntagvormittag um 11 Uhr, erstmals bereits am Eröffnungswochenende. Am 1. Oktober dreht sich ein Podiumsgespräch um KI und Natur und damit um die Frage, wie Algorithmus und Ökosystem zusammenpassen. Am 22. Oktober folgt ein Vortrag zur Kernfrage der Ausstellung, ob ein Algorithmus überhaupt kreativ sein kann. Am 12. November wirft ein weiterer Vortrag einen nüchternen Blick darauf, was nach dem grossen KI-Hype bleibt und was noch kommt. Am 10. Dezember wird auf Englisch über KI und Spekulation und das Gestalten unserer Zukünfte diskutiert, und am 7. Januar geht es in einem letzten Podium um Kreativität zwischen Mensch und Maschine. Einen musikalischen Nachklang gibt es am 21. Januar im Stadtmuseum Aarau: Dort zeigt ein Vortrag, welche Algorithmen hinter den Hits stecken und wie Künstliche Intelligenz die Musikindustrie umkrempelt. «Künstliche Kreativität» ist bis am 10. Januar 2027 im Aargauer Kunsthaus zu sehen. Ein Besuch lohnt sich, ob mit viel oder ganz ohne KI-Erfahrung. Am Ende bleibt vielleicht die schönste Erkenntnis: Die spannendsten Fragen stellt immer noch der Mensch.

Freitag, 25. September 2026, 18.00 Uhr, Kunsthaus: Vernissage: «Künstliche Kreativität»
Titelbild: Theresa Reiwer, Lasting Generation, 2024. Videostill aus Mehrkanal-Videoinstallation, in Zusammenarbeit mit David Egger, HAU Hebbel am Ufer, Hauptstadtkulturfonds © Theresa Reiwer