Ich hätte mir dieses Jahr wirklich gewünscht, dass der FC Aarau in die höchste Liga aufsteigt. Nach so vielen Anläufen, die immer im letzten Moment gescheitert sind, dachte ich mir, dieses Jahr muss das Glück doch einmal auf Seiten von Aarau liegen. Aber auch dieses Jahr ging es bei den beiden entscheidenden letzten Spielen – äusserst knapp – schief, zuerst gegen Yverdon, dann gegen GC. Es ist wie verhext. Aarau scheint nicht aufsteigen zu sollen. Als der FC Aarau vor über zehn Jahren noch in der höchsten Liga spielte, war es jeweils umgekehrt: Die «Unabsteigbaren» retteten sich vielfach im letzten Spiel, in den letzten Minuten vor einem Abstieg. Damals ging ich für dieses jeweils letzte Spiel in den Saisons ins Brügglifeld, da die Spannung dann am Höchsten war.
In einer Volte könnte man nun auch behaupten, Aarau sei einfach konservativ. Als sie in der höchsten Liga spielten, wollten sie dort bleiben. Wenn sie jetzt in der zweithöchsten Liga spielen, wollen sie – so scheint es – auch dort bleiben. Auf- und Abstieg bringt eine starke Veränderung der Situation; will Aarau diese Veränderungen vermeiden?
Mit einer Flanke, einem Sprung, nun zur Aarauer Politik. Nächste Woche sind 150 Tage seit Neujahr vorbei und damit auch vierzig Prozent des Jahres 2026. Zeit, um eine erste Bilanz des neu amtierenden Stadtrates zu ziehen? Oder ist es noch zu früh? Gibt es auch Konstanten in der stadträtlichen Politik wie beim FC Aarau, die unverrückbar zu bleiben scheinen?
Zu den Brennpunkten des bisherigen Jahres gehören sicher der Umgang mit der städtischen Liegenschaft Walthersburg wie auch der Umgang mit der Kreisschule Aarau-Buchs. Diese beiden Themen waren auch in den letzten Jahren schon sehr umstritten und der stadträtliche Umgang mit ihnen führte sogar zu Stimmrechtsbeschwerden vor dem Kanton und vor dem Aargauer Verwaltungsgericht.
Bei der Walthersburg ging es vor allem ums Thema der Alterswohnungen und der Zuweisung zum städtischen Finanz- oder Verwaltungsvermögen. In der Kreisschule wurde vielfach um Strukturfragen, das Budget, die Oberstufenschulhäuser und betreffend deren Planung über Beschlüsse von Einwohner- und Ortsbürgergemeinde gestritten.
Der neue Stadtrat hat also ein schon sehr umstrittenes Erbe übernommen. Doch trotzdem hat man von aussen das Gefühl, dass es in diesen beiden genannten Bereichen seit Anfang 2026 eskaliert ist. Der Konkurs der Genossenschaft für Alterswohnungen in der Walthersburg kam nicht nur – wie besagt – überraschend, sondern hatte eine längere kritische Vorgeschichte, die dem Stadtrat längst bekannt war.
Ebenso einzuordnen ist der neuste Eklat in der Kreisschule Aarau-Buchs von dieser Woche, über die gestern die Aargauer Zeitung berichtete. Die Krise in der Kreisschule ist schon seit Jahren offensichtlich, mit vielen Kündigungen und Abgängen, und diversen Vorschlägen für Strukturveränderungen, die noch weiter Öl ins Feuer giessen. Nun scheint die Kreisschule gar völlig führungslos zu werden, und der Streit zwischen Aarau und Buchs verschärft sich momentan nochmals massiv.
Badet der neue Stadtrat dieses Jahr einfach Fehler des vorhergehenden Stadtrats aus? In gewissem Sinne kann man das so sehen. Aber man kann auch sagen, dass der neue Stadtrat etwas führungslos wirkt, die Situationen nicht beruhigt, sondern eher im Gegenteil, unter seiner Führung sich die Situationen bei Walthersburg und Kreisschule zuzuspitzen scheinen. Auch hier könnte man das natürlich auch positiv zu drehen versuchen, da sich eine Situation manchmal nicht «beruhigen» muss, sondern sich zu einer Krise «zuspitzen», nur so wichtige und notwendige Änderungen sich überhaupt durchsetzen lassen.
In diesem Sinne ist zu hoffen, dass aus diesen aktuellen Krisen die Stadt Aarau gestärkt hervorkommt.
Zurück zum FC Aarau: Eine Verbindung zur Stadt Aarau ist ja schon gegeben, da Vize-Stadtpräsidentin Suzanne Marclay-Merz in Aarau nicht nur Stadträtin für den Sportbereich ist, sondern in (zu hinterfragender) Personalunion gleichzeitig auch Verwaltungsrätin der FC Aarau AG. Dieses Mandat ist nicht mit dem Stadtratsamt verknüpft, sondern rein persönlicher Natur. Und so muss sie im Stadtrat jeweils in den Ausstand treten, wenn es konkret um die Herzenssache FC Aarau geht. Ist diese Konstellation geschickt?
In der Umgangssprache werden die Stadt Aarau und der FC Aarau ja öfters gleichgesetzt: «Aarau hat verloren», «Aarau hat bei der Walthersburg versagt», «Aarau ist leider nicht aufgestiegen», «Aarau sollte Kulturhauptstadt werden», «Aarau sollte Kreisschule mit Buchs auflösen», wird beispielsweise gesagt. Eine solchermassen diffuse Bezugnahme auf die Stadt meint mal die Fussballspielenden, mal die Stadtratsverantwortlichen, manchmal andere Kreise in Aarau.
Sitzen wir in Aarau also alle im gleichen Boot?
Sagen wir es so: Viele kämpfen mit Herzblut für Aarau, ob im Fussball oder anderen Sportarten, ob in der Kultur oder in der Politik. Und immer wieder wird gefragt, hat «Aarau» gewonnen oder verloren? Je nach Sachlage beantworten nicht alle diese Frage gleich.
Und wenn «Aarau» gewinnt, jubeln alle und alles ist gut? Und wenn «Aarau» verliert, trauern, wütend sein, Schuldige suchen? Im Fussball wird schon gefragt, ob der oder die Trainer:in ausgetauscht werden sollte, als Schuldige:r für die Niederlage. In der Politik werden auch Schuldige gesucht: Der Stadtpräsident, die Ressortvorsteherin, der Kreisschulrat, die falsche Partei. Und so fort.
Wohl kann «Aarau» nicht immer gewinnen. Man muss auch verlieren können. Und trotzdem darf auch gefragt werden: Was muss sich ändern, dass «Aarau» gewinnt?
Im Fussball. In der Politik. In der Kultur.
In einer Volte könnte man nun auch behaupten, Aarau sei einfach konservativ. Als sie in der höchsten Liga spielten, wollten sie dort bleiben. Wenn sie jetzt in der zweithöchsten Liga spielen, wollen sie – so scheint es – auch dort bleiben. Auf- und Abstieg bringt eine starke Veränderung der Situation; will Aarau diese Veränderungen vermeiden?
Mit einer Flanke, einem Sprung, nun zur Aarauer Politik. Nächste Woche sind 150 Tage seit Neujahr vorbei und damit auch vierzig Prozent des Jahres 2026. Zeit, um eine erste Bilanz des neu amtierenden Stadtrates zu ziehen? Oder ist es noch zu früh? Gibt es auch Konstanten in der stadträtlichen Politik wie beim FC Aarau, die unverrückbar zu bleiben scheinen?
Zu den Brennpunkten des bisherigen Jahres gehören sicher der Umgang mit der städtischen Liegenschaft Walthersburg wie auch der Umgang mit der Kreisschule Aarau-Buchs. Diese beiden Themen waren auch in den letzten Jahren schon sehr umstritten und der stadträtliche Umgang mit ihnen führte sogar zu Stimmrechtsbeschwerden vor dem Kanton und vor dem Aargauer Verwaltungsgericht.
Bei der Walthersburg ging es vor allem ums Thema der Alterswohnungen und der Zuweisung zum städtischen Finanz- oder Verwaltungsvermögen. In der Kreisschule wurde vielfach um Strukturfragen, das Budget, die Oberstufenschulhäuser und betreffend deren Planung über Beschlüsse von Einwohner- und Ortsbürgergemeinde gestritten.
Der neue Stadtrat hat also ein schon sehr umstrittenes Erbe übernommen. Doch trotzdem hat man von aussen das Gefühl, dass es in diesen beiden genannten Bereichen seit Anfang 2026 eskaliert ist. Der Konkurs der Genossenschaft für Alterswohnungen in der Walthersburg kam nicht nur – wie besagt – überraschend, sondern hatte eine längere kritische Vorgeschichte, die dem Stadtrat längst bekannt war.
Ebenso einzuordnen ist der neuste Eklat in der Kreisschule Aarau-Buchs von dieser Woche, über die gestern die Aargauer Zeitung berichtete. Die Krise in der Kreisschule ist schon seit Jahren offensichtlich, mit vielen Kündigungen und Abgängen, und diversen Vorschlägen für Strukturveränderungen, die noch weiter Öl ins Feuer giessen. Nun scheint die Kreisschule gar völlig führungslos zu werden, und der Streit zwischen Aarau und Buchs verschärft sich momentan nochmals massiv.
Badet der neue Stadtrat dieses Jahr einfach Fehler des vorhergehenden Stadtrats aus? In gewissem Sinne kann man das so sehen. Aber man kann auch sagen, dass der neue Stadtrat etwas führungslos wirkt, die Situationen nicht beruhigt, sondern eher im Gegenteil, unter seiner Führung sich die Situationen bei Walthersburg und Kreisschule zuzuspitzen scheinen. Auch hier könnte man das natürlich auch positiv zu drehen versuchen, da sich eine Situation manchmal nicht «beruhigen» muss, sondern sich zu einer Krise «zuspitzen», nur so wichtige und notwendige Änderungen sich überhaupt durchsetzen lassen.
In diesem Sinne ist zu hoffen, dass aus diesen aktuellen Krisen die Stadt Aarau gestärkt hervorkommt.
Zurück zum FC Aarau: Eine Verbindung zur Stadt Aarau ist ja schon gegeben, da Vize-Stadtpräsidentin Suzanne Marclay-Merz in Aarau nicht nur Stadträtin für den Sportbereich ist, sondern in (zu hinterfragender) Personalunion gleichzeitig auch Verwaltungsrätin der FC Aarau AG. Dieses Mandat ist nicht mit dem Stadtratsamt verknüpft, sondern rein persönlicher Natur. Und so muss sie im Stadtrat jeweils in den Ausstand treten, wenn es konkret um die Herzenssache FC Aarau geht. Ist diese Konstellation geschickt?
In der Umgangssprache werden die Stadt Aarau und der FC Aarau ja öfters gleichgesetzt: «Aarau hat verloren», «Aarau hat bei der Walthersburg versagt», «Aarau ist leider nicht aufgestiegen», «Aarau sollte Kulturhauptstadt werden», «Aarau sollte Kreisschule mit Buchs auflösen», wird beispielsweise gesagt. Eine solchermassen diffuse Bezugnahme auf die Stadt meint mal die Fussballspielenden, mal die Stadtratsverantwortlichen, manchmal andere Kreise in Aarau.
Sitzen wir in Aarau also alle im gleichen Boot?
Sagen wir es so: Viele kämpfen mit Herzblut für Aarau, ob im Fussball oder anderen Sportarten, ob in der Kultur oder in der Politik. Und immer wieder wird gefragt, hat «Aarau» gewonnen oder verloren? Je nach Sachlage beantworten nicht alle diese Frage gleich.
Und wenn «Aarau» gewinnt, jubeln alle und alles ist gut? Und wenn «Aarau» verliert, trauern, wütend sein, Schuldige suchen? Im Fussball wird schon gefragt, ob der oder die Trainer:in ausgetauscht werden sollte, als Schuldige:r für die Niederlage. In der Politik werden auch Schuldige gesucht: Der Stadtpräsident, die Ressortvorsteherin, der Kreisschulrat, die falsche Partei. Und so fort.
Wohl kann «Aarau» nicht immer gewinnen. Man muss auch verlieren können. Und trotzdem darf auch gefragt werden: Was muss sich ändern, dass «Aarau» gewinnt?
Im Fussball. In der Politik. In der Kultur.
Über
Ausgewählte Aarauerinnen und Aarauer schreiben in der Rubrik «Gastkommentar» über ihre Sicht auf die Dinge und die Stadt.
Stephan Müller ist Szenograf und ehemaliger Einwohnerrat, sonst Stadtspaziergänger und Teilzeitmitarbeiter eines linken Wochenblattes.

Bild: Thomas Widmer


